Schubsen oder ziehen lassen

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Ein Schatz, der Mensch. Zu gerne würde sie ihn plündern. Alles Gold, jeglichen Glanz, tragen. Doch sie merkt, dass sie teilen muss und bald lernt sie zu schätzen, dass die Welt schöner ist, wenn jeder ein bisschen funkelt. Behängt wie ein Christbaum wird es mühsam, das Schimmern der anderen zu erblicken. 

Hier haben wir eine, die schubst und schiebt sich ihre Welt zurecht. Wenn ihr ein Baum die Sonne nimmt, fällt sie ihn. Wenn das Licht der Lampe einen Schatten auf das wirft, was sie gerne genauer betrachten würde, schaltet sie entweder eine zweite an oder die erste aus. Alles, was sie in ihrem Leben haben möchte, zieht sie sich herein und hält es fest. Hofft, dass es standhaft bleibt und wandelt es sich zum Schädlichen, so wird sie es rasch los. Gar nicht töricht, allemal effektiv. Trotz dessen häufiger nachlässig, der Kollateralschaden in den Leben der anderen vorprogrammiert. 

Dort haben wir eine, die lässt sich ziehen. Anfänglich die Wörter aus dem Mund, die Meinung aus den Händen, die Fragen versucht sie loszulassen, doch merkt sie schnell, dass sie bei ihr bleiben, bis die Antworten kommen, sie einpacken und mitnehmen. Sie macht sich nicht ohne Einladung auf den Weg, trifft selten ohne Geschenk ein und muss häufig zum Menschlichen überredet werden. Ihre Bedürfnisse sind ihr fremd, ihr Ich ist ihr nicht geheuer und sie lebt von den Ratschlägen der anderen, geht es darum, wie sie sein soll oder man zu sein hat. Man muss ihr die verschränkten Arme entwirren und sie an die Hand nehmen, um ihr zu zeigen, dass sie keine Angst haben muss. Sie schaut unentwegt hin, nie weg, weiß, dass das Leben kein Horrorfilm ist und dennoch ist sie skeptisch, ob nicht irgendetwas (oder -jemand) im nächsten Moment um die Ecke kommt und ihr den Atem raubt. 

Nun trifft die Schubsende auf die Sich-ziehen-lassende. Die Richtung klar durch die Erste vorgegeben, ein Abkommen vom Weg außer Frage. Bis etwas diesen versperrt und ein Schubser alleine nicht genügt, um das Hindernis loszuwerden - den Weg der Last zu entledigen, die ihm aufgebürdet wurde. Die Geste des Ziehens zeigt zeitweilen erheblich mehr Wirkung und die beiden lernen voneinander, schubsen und ziehen sich frei. Bei unverstelltem Blick bemerken sie, dass der Weg von nun an anders aussieht, ihnen beiden vertrauter, für die eine, als auch andere heimischer, einladender, wohliger. 

Ein Schatz, der Mensch. Zu gerne würde die eine ihn plündern, zu gerne gibt die andere den ihren auf. Doch heute öffnen sie ihr Innerstes und teilen ihren Schmuck.  

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