Don't take shit.

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Mein Gehirn habe ich mir immer vorgestellt, wie eine Festplatte. So richtig Klischee, aber in meinem Kopf war schon immer eine grüne Platte mit vielen bunten Quadraten drauf, ein paar Kabeln und hier und da irgendetwas Draufgeschweißtem. Mein Papa ist ein „Tekkie“. In meiner Kindheit wurde viel auseinandergeschraubt, ich hab mir bei seiner Arbeit die Chips angeschaut und es waren keine, die man essen konnte (die gab es auch und das sind auch die, mit denen ich bis heute mehr anfangen kann). Hochhauslandschaften, so habe ich sie mir vorgestellt und das war dann wahrscheinlich auch der Punkt, an dem jedem in der Familie klar war, dass ich eher einen kreativen Geist habe, als das mit den Algorithmen und HTML-Codes wirklich ernsthaft angehen zu wollen. So stelle ich mir also weiterhin mein Gehirn als eine Festplatte vor und deshalb ist das auch für diesen Artikel gar nicht so unwichtig: ich hab jetzt schon 23 Jahre gelebt und ich lebe auch noch ein paar mehr. Ich gehe von A nach B und ich rede an manchen meisten Tagen mit Menschen, an manchen nur virtuell und an manchen stecke ich den Kopf unter die Decke und tu so, als gäbe es nur mich und mein Universum, was die Ecken der Bettkante nicht überschreitet. Und ich schaue viel. Das ist mein Ding. Viel Fernsehen nicht so, ich habe keinen. Wobei das Argument inzwischen sehr wahrscheinlich gar nicht mehr so richtig zieht, ich habe natürlich Netflix und Zugang zu dem ein oder anderen Kanal, auf dem ich hemmungslos stundenlang auf „nächste Folge abspielen“ klicken kann. Manchmal mache ich das auch. Schamlos. 

Schauen. Das ist mein Ding. Und das ist wichtig, das ist mein Input. Ich schaue gerne und ich schaue mir gerne alles an. Ich schaue, wie die Menschen von der Sonne in den Schatten wandern, weil es ihnen zu heiß geworden ist. Ich schaue, wie mein Gegenüber mit seinem Armband spielt oder meine Freundin sich beschämt das Top zurechtrückt, weil der Ausschnitt größer ist, als sie ihn normalerweise trägt. Ich merke den Unterschied zwischen Zuhören und Anschauen, bei mir und bei anderen. Ich sehe Obdachlosen in die Augen und schaue dann oft betreten zu Boden. So gehe ich durch die Welt und lerne. Das Schauen gehört also genauso zu mir, wie meine Arme, meine Beine, meine Augen, mein Blick und meine Fragen. 

Ich lasse mir vieles nehmen, aber nicht das kindliche Aufsaugen, von Mutterbrust zu WELTSCHMERZ. So kommt dann oft die Annahme anderer zustande, ich sei schüchtern, zu sehr bei mir, zu überlegt, zu viele Schritte mit meinem Kopf und zu wenige mit meinen Beinen. 

Nun also zurück zum Lernen: hier komme ich wieder auf die Festplatte, die Hochhaussiedlung, die nicht-essbaren Chips aus meiner Kindheit und aus deinem Computer- es hört nie auf, es kommen immer mehr dazu, wir platzieren und stecken sie entweder ganz bewusst auf den grünen Hintergrund, oder wundern uns bei genauerem Betrachten, wieso das alles plötzlich so anders aussieht. Manchmal vergesse ich auch, mir die Farbe zu merken. So auch, wenn ich mir einreden lasse, manchmal, ich sei ein wenig zu viel von ……………. Viele Leute lassen sich einrede, sie sein ein wenig zu viel von ……………….. 
Ersetze …………….. mit einem Teil, der zu dir gehört und es macht die Sache nicht okay! 

Was ich damit meine, ist wenn einem versucht wird weis zu machen, man selbst sei das Problem in einer Situation. Manchmal ist man das, aber oft (immer öfter) nicht. Man ist vollkommen im Reinen mit Teilen von einem Selbst und dann kommt jemand daher und behauptet, man sei zu klammernd, man sei zu laut, man höre nicht genug zu, man gehe zu viel aus, man argumentiere prinzipiell nie konstruktiv oder man sei zu oft alleine. Aber was, wenn man das einfach gerne macht? Was, wenn man einfach gerne mal alleine ist? Was, wenn man gerne mal laut ist und was, wenn einem nicht richtig zugehört wird, wenn man versucht, seine Meinung offen zu legen? Dann kommen Momente zustande, in denen man denkt, man habe sie schon für sich eingeordnet und man habe sie schonmal erlebt und daraus gelernt. Und dann versucht einem jemand zu verstehen zu geben, man hätte falsch gelernt, man liege falsch, es sei falsch, wie man ist. Lass dir das nicht einreden, unterschieben, in deine Gedanken einmogeln, nein, don’t take shit! 

Wir sind alle so privilegiert und das wissen wir auch und das wird uns schon oft genug gesagt. Es ist viel los in unserer Welt und wir haben alle an uns und zu arbeiten, schauen oft an uns selbst und manchmal auch ein bisschen zu oft an anderen, hinunter. Wir haben viele Freiheiten, leben darin, baden darin, vergessen, dass wir weit hinausschwimmen können. Don’t take shit - provokanter, als das, was dahinter steht. Anstatt sich gegenseitig zu limitieren: Charaktere bewundern, unterstützen, frei und offen kommunizieren und sich daran erinnern, dass man vieles ändern kann, aber das, was zu einem gehört, das hält man lieber ganz doll fest.