Schuster, lass deine Leisten links liegen und geh schwimmen!

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„Der Mensch ist eben ein Gewohnheitstier, da kann man nichts machen!“
So selbst gesagt oder oft gesagt bekommen. Ein Satz, der in alltäglichen Konversationen oder tiefgehenden philosophischen Gesprächen stets eine Art Schlussstrich zu ziehen scheint. 

„Schön und gut, entwickle dich weiter, probier dich aus, aber wundere dich nicht, wenn du immer wieder zu deinen alten Marotten zurückkehrst.“

Wenn in Zeiten des Fortschritts, in der scheinbar irgendwer den Ball der Entwicklung in allen Lebensbereichen gleichzeitig beschleunigt hat, „zu seinen Marotten zurückkehren“ die einzig wahre Lösung ist, passt a irgendwie nicht zu b und wir nicht in die Welt. 

„Es ist wie es ist“ und „Schuster, bleib bei deinen Leisten“, ergo: halte dich an das, was du kannst und steck deinen Kopf nicht in Angelegenheiten, die dich nichts angehen. Das Konzept „Fortschritt“ hat da irgendwie nicht so viel zu suchen und schleicht es sich ein, so merkt es schnell, wie fehl am Platz es ist und haut flott wieder ab. 

So bleibt der Schuster bei seinen Leisten und wird niemals erfahren, wie anders das Leben sein mag, wäre er Rockstar, Bäcker oder Influencer. Um ihm eine Alternative zu bieten und mich selbst weiterzuentwickeln, muss ich mich immer wieder davon abbringen, zu meinen alten Marotten zurückzukehren und anderen Leuten nicht zu Selbigem zu raten. Weil ne: es muss nicht immer alles bleiben, wie es ist und Veränderung tut weh (meistens, wenn auch nur ein klitzekleines bisschen) und wenn man durch und in neuen Gewässern angekommen ist, ist nicht nur das Schwimmen ein anderes. Dann riecht es frischer, das Wasser fühlt sich seichter an oder schäumt in tosenden Wellen um den eigenen Körper. So oder so: es scheint nicht mehr die Lungen zu füllen und dich zum Ertrinken zu zwingen. Du siehst klarer und weiter, den Grund noch nicht und fragst dich dennoch, was sich dort unten wohl verbirgt. Du grüßt Fischer in ihren Nussschalen und freust dich über Fische, die dich an deinen Füßen kitzeln - denn du kennst sie noch nicht. Und kaum bist du dort, in dem neuen Gewässer, einmal angekommen, vergisst du, wie mühselig der Weg dahin war. Schneller, als du vielleicht glaubst, kennst du deine Mitschwimmenden oder freust dich über die Ruhe, weil keiner deine Sicht verdeckt. Vielleicht möchtest du dich an Land setzen und das neue Geschehen erstmal von der Ferne beobachten. Aber schau hin und nicht weg und lass das „wird schon irgendwie“ beim Alten liegen.

Mach die Tür auf, probier mal was Neues, der Ostwind kommt, Mary Poppins grüßt mit einem verabschiedenden Winken!